Was sich Jugendtrainer von den Eltern ihrer Spieler wünschen ?

Im Kinder- und Jugendfußball geht es längst nicht mehr nur um den Spaß am Spiel. Für die Kinder vielleicht ja, aber nicht für die ehrgeizigen Eltern. Nicht selten kommt es neben verbalen Entgleisungen auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. 

Die Aggressivität am Spielfeldrand hat zugenommen. Die sogenannten Fußballeltern haben vergessen worum es im Kinderfußball wirklich geht.


Zur Erinnerung: Spielerisches Erlernen der Grundtechniken, Vermittlung von Freude am Spiel und die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung.


Sie merken nicht, dass sie mit ihrem Verhalten dem eigenen Kind schaden. Einige Eltern sehen in ihrem Sprössling den nächsten Bundesliga-Star und verlieren den Blick für die Realität. Neben dem Druck in der Schule, müssen sich Kinder auch bei Ihrer Lieblingsbeschäftigung zusätzlichem Leistungsdruck aussetzen. Sie müssen gewinnen und am besten viele Tore schießen. Im schlimmsten Fall gibt es für jedes Tor sogar noch eine Belohnung. Und wehe das Kind macht mal einen Fehler oder das Spiel wurde verloren. Dann muss erstmal Rede und Antwort bei Papa oder Mama gestanden werden. Denn die wissen genau woran es gelegen hat. Denn sie waren selber einmal fast Fußballprofi, bevor sie in der C-Jugend Kreisliga gescheitert sind.  Sie merken nicht, dass dies der völlig falsche Ansatz ist, denn als Trainer versucht man den Kindern beizubringen, dass auch Niederlagen, Fehler und falsche Schiedsrichter Entscheidungen zum Fußball dazu gehören. Und egal wie sehr sie es hoffen...Ein Kind wird kein Bundesligaspieler, nur weil es die Eltern unbedingt wollen.



7 Wünsche eines Jugendtrainers an die Eltern

1. Pünktlichkeit

Die Kinder können in den meisten Fällen noch nicht alleine zum Training kommen. Daher sind sie auf ihre Eltern angewiesen. Das heißt, dass diese auch die Verantwortung für die Pünktlichkeit ihrer Kids tragen. Fußball ist ein Teamsport und es ist wichtig, dass Kinder lernen, dass man sich aufeinander verlassen können muss. Dazu zählt unter anderem Pünktlichkeit. Diese Eigenschaft wird die Kinder ein Leben lang begleiten, daher ist es wichtig früh genug damit anzufangen.

2. Zuverlässigkeit

Trainer verlassen sich auf die Zusagen der Eltern. Es gibt nichts schlimmeres als unabgemeldetes Fernbleiben bei einem Wettkampf. Auch für die Trainingsplanung ist es sehr wichtig vorab zu wissen mit wie vielen Spielern man rechnen kann. Eine rechtzeitige Abmeldung erleichtert die Arbeit eines Trainers ungemein. Über eine App wie Spond können Zu-und Absagen ganz unkompliziert mit einem Klick erledigt werden.

3. Entscheidungen akzeptieren

Es ist für jeden Trainer sehr belastend, wenn seine Entscheidungen permanent in Frage gestellt werden. Am schlimmsten ist es, wenn dies sogar vor dem eigenen Kind passiert. Es wird immer Situationen geben mit denen Eltern nicht einverstanden sind. Das ist völlig in Ordnung. Sollte dies einmal der Fall sein, ist es wünschenswert, wenn dies nach dem Training oder Spiel in Ruhe mit dem Trainer besprochen wird. Des Weiteren ist es oft ein Problem, dass manche Kinder aus der Reihe tanzen und nur rumalbern. Es liegt nicht immer an der Autorität des Trainers, wenn sich ein Kind mal daneben benimmt. Sollte der Trainer dann mal die Entscheidung treffen, ein Kind aufgrund des Fehlverhaltens vom Training oder Wettkampf auszuschließen, sollten die Eltern voll hinter der Entscheidung des Trainers stehen und diese nicht vor dem Kind kritisieren. Ansonsten wird es nicht zu dem gewünschten Lerneffekt kommen.

4. Anfeuern JA, Anweisungen NEIN !

Ständige Anweisungen außerhalb des Spielfeldes sorgen einfach nur für Unruhe, mindern die Kreativität der Spieler, verwirren die Kinder in ihrem Spiel und schaden ihrer fußballerischen Entwicklung. Fehler gehören im Spiel dazu und fördern sogar den Lerneffekt. Als Elternteil hat man eine unterstützende Funktion, welche man zum bejubeln des Teams und nicht für taktische Anweisungen nutzen sollte.

5. Hilfsbereitschaft 

Als Trainer ist man ein Allroundtalent und hat alle Hände voll zu tun. Daher ist es schön, wenn der Trainer auch neben dem Platz Unterstützung bekommt.  Egal ob beim Waschen von Trikots, das Mitbringen von Obst, die Organisation von Feiern, Aquise von Sponsoren oder sonstige helfende Tätigkeiten. Jeder Trainer ist froh, wenn ihm etwas Arbeit abgenommen wird.  Wenn Eltern und auch Trainer an einem Strang ziehen, kann man gemeinsam eine wunderbare Zeit mit den Kindern erleben. 

6. Ehrlichkeit

Auch dieser Punkt trägt stark zu einem guten Verhältnis zwischen Trainer und Eltern bei. Lügen haben kurze Beine und früher oder später kommen diese immer ans Licht. Spätestens die Kinder verplappern sich beim nächsten Training. 


Beispiel - Absage Training:

"Tom kann heute leider nicht zum Training kommen, weil er ein bisschen kränkelt."

Tom kommt zwei Tage später wieder zum Training und der Trainer fragt: "Na Tom, gehts dir wieder besser?"

Tom antwortet: "Häh warum, ich war doch gar nicht krank. Wir waren bei Oma zum Geburtstag."


Warum denn nicht gleich ehrlich ? Es ist doch überhaupt nicht schlimm, wenn man mal nicht zum Training kann. Schlimm ist es nur wenn man dafür Ausreden erfindet.


Des Weiteren bekommt man als Trainer schnell heraus, wer hinter den Kulissen gegen einen schießt. Hinterm Rücken wird gemeckert und die Unzufriedenheit kund getan aber vorne herum ist immer alles super. Wenn es Probleme, Bedenken, Ängste oder sonstige Unzufriedenheiten gibt, dann sprecht bitte direkt mit dem Trainer und nicht nur mit anderen Eltern. Nur so können Unstimmigkeiten schnell aus dem Weg geräumt und ein gutes Verhältnis bewahrt werden.

7. Vertrauen

Dieser Punkt ist tatsächlich für viele Eltern sehr schwierig, was man teilweise auch gut nachvollziehen kann.  Man möchte sein Kind immer nur in hervorragende Hände geben, um dem Schützling die bestmögliche Entwicklung zu bieten. Wenn dann ein Trainer in Arbeitskleidung und völlig planlos zum Training kommt, dann fällt es schwer demjenigen in Sachen "fußballerischer Entwicklung" zu vertrauen. Daher spielt bei diesem Punkt auch der Trainer eine wichtige Rolle. Hier ein paar kleine Tipps, um sich das Vertrauen der Eltern zu erarbeiten:


  • eigne dir Fachkenntnisse im Bereich Kinderfußball an (Bücher, DVD´s, Internetseiten)
  • plane deine Trainingseinheiten
  • organisiere dein Team vernünftig und übersichtlich (z.B. mit Spond)
  • trage Vereinskleidung beim Training
  • entwickle deine eigene Philosophie und teile sie den Eltern bereits vor der Saison mit
  • mache eine Trainerlizenz


Wenn du erstmal das Vertrauen der Eltern durch dein Auftreten, deine Handlungen und deiner Fachkompetenz gewonnen hast, erleichtert dir dies deine Arbeit neben dem Fußballfeld um einiges.


Es gibt jedoch auch Eltern (häufig Väter) die trotz deines Fachwissens, an deiner Arbeit zweifeln, denn sie haben zumeist selber jahrelang in der Kreisliga C Fußball gespielt und wissen was wirklich wichtig ist. In diesem Fall könnt ihr als Trainer einfach nur eure gute Arbeit fortsetzen, bestenfalls gut argumentieren und denjenigen bitten dir zu vertrauen. Gerne kann den nörgelnden Papas auch mal angeboten werden, eine Trainingseinheit eigenständig zu übernehmen, damit sie auch mal sehen, was du wöchentlich leistest.


Insgesamt müssen sowohl Trainer als auch Eltern etwas für ein gutes Miteinander tun. Man verbringt im Laufe der Woche sehr viel Zeit miteinander. Manchmal sogar mehr als mit dem eigenen Partner. Genau darum ist es wichtig, ein angenehmes Klima innerhalb der Mannschaft aufzubauen. So macht es für beide Seiten doch viel mehr Spaß.




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