Sollte mein Kind so früh wie möglich zum Bundesliga Nachwuchs wechseln ?

Profiklubs fangen mittlerweile immer früher an zu scouten. Nicht selten werden Spieler schon in der F-oder E Jugend in ein Nachwuchsleistungszentrum gelockt.

Der Traum von jedem kleinen Fußballer ist es einmal das Trikots eines namenhaften Vereins zu tragen. Mindestens genauso groß ist der Wunsch der Eltern, dass es ihr Kind schafft. Doch warum eigentlich ? Um das eigene Ego zu steigern oder weil sie tatsächlich glauben, das es ihr Kind definitiv zum Profi schafft, wenn es in ein Nachwuchsleistungszentrum wechselt ? Ein bisschen von beidem würde ich sagen. 


Für die Profivereine ist es auf jeden Fall kein großes Problem, Kinder und Eltern vom Wechsel zu überzeugen.

Argumente wie lizensierte Trainer, starke Mitspieler, kleine Kader und das oben genannte Trikot, brauchen keiner weiteren Überzeugungsarbeit. 


Was ist überhaupt ein Nachwuchsleistungszentrum ? 

Die 36 Lizenzvereine der 1.Bundesliga und 2. Bundesliga sind zum Aufbau eines Leistungszentrums für Talente nach festgelegten Kriterien verpflichtet. Aktuell gibt es in Deutschland 54 Leistungszentren. Neben den 36 Lizenzvereinen führen aktuell zehn Vereine der 3. Liga und acht Vereine in den Regionalligen ein anerkanntes Leistungszentrum.


Die Leistungszentren gelten als sportliche Anlaufstation für die regionalen und überregionalen Spitzentalente. 

Neben der Lizenzierung müssen sich die Leistungszentren auch regelmäßiger Qualitätsüberprüfungen unterziehen. Dabei werden alle infrastrukturellen, personellen, organisatorischen und nicht zuletzt sportlich-konzeptionellen Details eines Leistungszentrums mittels eines festgelegten Kriterienkatalogs überprüft und bewertet. 


Der zu frühe Wechsel in ein Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) ist meist der falsche Weg

Fast alle Bundesligavereine haben eine eigene E-Jugend Mannschaft. Viele stellen sogar schon eigene Teams in der F-Jugend. Über den Sinn lässt sich diesbezüglich stark streiten, denn ein großer Mehrwert für die Kinder lässt sich nicht wirklich erkennen. Um es mal vorweg zu nehmen, die meisten Spieler die bereits in der F-Jugend zum Bundesliganachwuchs wechseln, kommen nicht einmal in der D-Jugend an. Die durchschnittliche Verweildauer in den Jugendabteilungen der Großvereine liegt nämlich meist unter zwei Jahren.


Doch warum ist das so ? Zum einen weil die körperliche und geistige Entwicklung eines 8 Jährigen Spielers kaum vorauszusehen ist, zum anderen weil immer weiter gescoutet wird und die vorhandenen Spieler einfach gegen bessere ersetzt werden. Oft sind es sogar die Spieler, die sich in ihren Stammvereinen entsprechend positiv entwickelt haben, die den Platz dann einnehmen. Natürlich gibt es immer wieder vereinzelt Ausnahmetalente, welche sich durchsetzen. Die Chance ist jedoch sehr sehr gering. Die Konsequenzen für die verletzte Kinderseele sind groß. Oft kehren diese Spieler dem Fußball sogar ganz den Rücken zu und das nur weil ihnen zu früh falsche Illusionen vermittelt werden.


Welche Herausforderungen bringt ein Wechsel in ein NLZ mit sich ?

  • Verlust des gewohnten sportlichen Umfelds
  • hoher Leistungsdruck
  • hoher Selektionsdruck
  • größerer Zeitaufwand
  • stärkere Doppelbelastung mit Schule und Fußball (Training, Spiele & Turniere)
  • Abkopplung von Freunden 
  • Trennung von Eltern und Geschwister (bei Wechsel in ein Sportinternat)


Wann ist der Wechsel in ein Nachwuchsleistungszentrum ideal ?

Auf keinen Fall unterhalb der U13, denn so richtig interessant wird es für die großen Vereine sowieso erst auf dem Großfeld. Das heißt ab der C-Jugend. Daher beläuft sich der ideale Wechselzeitpunkt in ein NLZ auf den Altersbereich U13-U17 . Grundsätzlich kann man sagen, je später der Wechsel zum Bundesliga Nachwuchs erfolgt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit zumindest in der U19 anzukommen. Doch selbst wenn ein Spieler es bis in die U19 eines Bundesligaclubs schafft und sogar Nationalspieler ist, wird nur ein geringer Teil davon Profifußballer. 


Daher ist es wichtig die Chancen seines Kindes realistisch einzuschätzen. Und die Realität ist, dass ein zu früher Wechsel in ein Nachwuchsleitungszentrum die Möglichkeit mindert ganz oben anzukommen. Kinder sollten solange wie möglich in ihren Heimatvereinen und ihrem gewohnten Umfeld bleiben, um sich in Ruhe und ohne großen Leistungsdruck entwickeln zu können.


Leistungsorientierte Breitensportvereine stellen häufig eine bessere Alternative im Kinderfußball gegenüber den NLZ´s dar. Viele Bundesligaclubs arbeiten bereits mit Kooperationsvereinen zusammen, welche im Kleinfeldbereich für sie ausbilden.  Des Weiteren sorgt der DFB-Stützpunkt dafür, dass talentierte Kinder auch außerhalb des Nachwuchsleistungszentrums einmal wöchentlich trainiert werden und somit bereis im Fokus stehen, auch wenn sie noch bei ihren Heimatvereinen kicken. Diese beiden Varianten sind die deutlich bessere Alternative als der zu frühe Wechsel zum Bundesliga Nachwuchs. 

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