Sollte man sich bereits im Kinderfußball auf einen Torhüter festlegen?

Schon bei den G-F- und E-Junioren gibt es sehr oft Kinder, die auf die Torhüterposition festgelegt wurden. Doch ist dies wirklich förderlich für die fußballerische Entwicklung der Spieler ?

Um die Frage vorab zu beantworten, ob es Sinn macht, sich bereits im Kindesalter auf einen festen Torwart festzulegen : NEIN.


Genauso wie es nicht förderlich ist, die Kinder auf sämtlichen anderen Positionen festzulegen. Doch warum bestimmen trotzdem viele Trainer bereits in der Grundlagenausbildung einen fetsen Torwart ? Auch diese Frage ist einfach zu beantworten: Aus Ergebnisorientierung. Sie stellen meistens den größten Spieler ins Tor oder denjenigen, der fußballerisch am wenigsten fortgeschritten ist. Zweifelsfrei entwickeln sich Kinder, die bereits von Anfang nur im Tor stehen, besser auf dieser Position, als Spieler die nur ab und an das Tor hüten. Jetzt sagen sicherlich viele Trainer: "Na das ist doch super. Das Kind hält im Spiel den Kasten sauber und entwickelt sich auf dieser Position auch noch gut. Was will man mehr."


Einen Spieler schon im Kindesalter auf die Torhüterposition festzulegen, ist wie seinen Schülern im Matheunterricht nur Addition/Subtraktion beizubringen und nicht Multiplikation/Division. Sie können eine Sache richtig gut, aber den Rest gar nicht.


Das Ziel in der Grundlagenausbildung ist es,  jedes Kind ganzheitlich auszubilden. Die Spezialisierung erfolgt frühstens, wenn es auf das Großfeld geht. Wenn man also ein Kind nur im Tor stehen lässt, wird es garantiert richtig gut Bälle halten können, aber ist das alles was ein Torhüter können muss ? Es gehört heutzutage doch viel mehr dazu, als nur Bälle abzuwehren. Der Torwart ist teilweise der elfte Feldspieler.  Er muss dribbeln, sprinten, passen, flanken, schießen und den Ball sauber an-und mitnehmen können. Alles was ein Feldspieler auch können muss. Jeder Profiverein wünscht sich einen Torhüter der mitspielt und somit gute fußballerischen Fähigkeiten besitzt. Wie zum Beispiel ein Manuel Neuer. Diese Fähigkeiten erhält ein Torwart jedoch nur, wenn er im Grundlagenbereich auch als Feldspieler aktiv war und sich somit ganzheitlich entwickeln konnte. Eine Großzahl von professionellen Torhütern waren als Kind noch Feldspieler, ehe sie zum Torwart wurden.


Viele Kinder wollen mal ins Tor 

Wer kennt es nicht ? Der Trainer kündigt eine Torschussübung an und fragt wer ins Tor möchte. Fast alle Arme gehen in die Luft und alle Kinder schreien durcheinander "Ich, ich, ich" . Wenn man dann jemanden auswählt, gibt es oft enttäuschte Gesichter, die man natürlich schnell besänftigen kann, indem man während der Übungen die Torhüter auch stets wechselt. Das zeigt, wie gerne sich die Kinder auch mal als Torhüter ausprobieren möchten. Springen, fliegen und Bälle abwehren. Warum sollte man ihnen also diesen Wunsch verwehren ? Nur aus einem Grund: Aus Angst, dass für die Trainerkarriere enorm wichtige F-Junioren Kreisliga Spiel zu verlieren. :D


Des Weiteren kann im Kindesalter noch schwer vorausgesagt werden, wie die körperliche Entwicklung der Kinder verläuft. Stelle man sich vor, man legt sich bereits bei den Bambini auf einen Torhüter fest und dieser wird bis zur C-Jugend nur auf dieser Position ausgebildet. Nun geht es ins große Tor, doch der Spieler ist nicht so gewachsen wie seine Mitspieler, was völlig normal ist, da in dieser Altersklasse die Wachstumsunterschiede am größten sind (Frühentwickler-Spätentwickler). Dieser Spieler ist nun völlig verloren. Für das Tor ist er zu klein und für das Feld zu schlecht ausgebildet. Die Folge: Der Spieler bekommt keine Einsatzzeiten, verliert zwangsläufig den Spaß am Spiel und hört letzendlich auf mit Fußball. Ein Szenario was nicht selten vorkommt. Das heißt im Umkehrschluss, dass du als Trainer, dem Kind seine fußballerische Zukunft verbaut hast, nur weil du aufs Gewinnen fixiert warst. Wäre das Kind ganzheitlich ausgebildet worden, hätte es nun einen anderen Platz auf dem Feld. Das heißt, dass man als Trainer stets nachhaltig denken muss und nicht nur an den kurzfristigen Erfolg.


Schaut man in viele Nachwuchsleistungszentren, gibt es dort bis zur D-Jugend keinen festen Torhüter. Bei Turnieren oder Staffelspielen, steht immer ein anderer Spieler im Tor. Es werden bewusst Gegentore in Kauf genommen, die durch einen spezialisierten Torwart nicht entstanden wären. Alles für eine ganzheitliche Ausbildung der Kids. 


Was ist mit Kindern, die nicht ins Tor wollen ?

Es gibt natürlich auch Kinder, die nicht ins Tor wollen. Diese sollte man auch nicht dazu zwingen, da sie sonst mit Angst zum Training, Spiel oder Turnier kommen. Das ist nicht das Ziel. Spieler welche im Training bereits gerne ins Tor gehen, können jedoch ohne Bedenken auch bei den Wettkämpfen das Tor hüten. Wichtig dabei ist, jedes Kind zu ermutigen und nicht bei einem Fehler anzuschimpfen, da diese sonst Angst vor Fehlern bekommen und verständlicherweise auch nicht mehr ins Tor wollen.


Alles in allem empfehlen wir im Kindesalter keine Torhüter auszubilden sondern Fußballer. Eine Positionierung in den untersten Altersklassen hemmt die Entwicklung der Kids und schränkt sie stark in ihrer fußballerischen Entwicklung ein.

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