Isoliertes Techniktraining vs. Spielformen im Kinderfußball

Viele Kinderfußball Trainer versuchen ihren Spielern gewisse Techniken regelrecht einzuschleifen, welche sie mit Sicherheit auch nach einiger Zeit drauf haben werden. Doch sind isolierte Übungsformen der richtige Trainingsansatz im Kinderfußball ?

Was man auf vielen deutschen Fußballplätzen oder auch zum Großteil in den sozialen Medien zu sehen bekommt, ist oft sehr erschreckend. Videos von 8-10 Jährigen,  welche einstudierte Passfolgen präsentieren, werden im Netz gefeiert und bejubelt. Klar sieht es super aus und kommt dem Fußball der Erwachsenen etwas näher, aber ist es das, was Kinder wollen und vor allem in diesem Alter brauchen? Ist es wirklich das Ziel, dass Kinder wie Erwachsene trainiert werden ?  


Warum sind Spielformen so viel besser als isoliertes Techniktraining ?

Es gibt für Kinder eigentlich keine bessere Förderung, als ihnen von klein an genügend Zeit und Raum zum Spielen zu geben. Sowohl privat als auch beim Sport. Kinder lernen im Spiel nicht nur „spielend leicht“, sondern das Spielen ist auch ihre Art zu lernen. Anders ausgedrückt:


Bei Kindern sind Spielen und Lernen zwei Seiten von ein und derselben Medaille !


Im Spiel suchen sich Kinder die Anregungen, die sie gerade für ihre Entwicklung brauchen. Sie lernen den Fußball kennen, finden heraus, wie gewisse Dinge funktionieren, wann sie sie einsetzen können und welchen Sinn sie haben. Zusätzlich üben sie spielend ihre motorischen Fähigkeiten und lernen neue hinzu.


Spielen ist einfach ein „Alleskönner“. Denn dabei entwickeln, üben und festigen Kinder in den verschiedensten Entwicklungsbereichen grundlegende Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse, wie zum Beispiel:


  • Selbstwertgefühl, Selbstbestätigung und Selbstvertrauen
  • Denkfähigkeit und Kreativität
  • Entscheidungsfähigkeit
  • Einhalten von Regeln
  • Aushalten von Enttäuschung und Misserfolg


Isolierte Übungsformen hingegen berücksichtigen oft nicht genug die Bedürfnisse des einzelnen Kindes, seine individuelle Eigenheit, Spontaneität und Kreativität – im Gegenteil, sie können sogar „weggefördert“ werden. Während Übungsformen oft nur eine bestimmte Technik im Blick haben, funktioniert kindliches Lernen im freien Spiel ganzheitlich. Kreativität entwickelt sich nicht in isolierten Übungen sondern in Spielformen, die das Gehirn fördern und fordern. Trotzdem besteht bei vielen das Training leider immer noch aus mehr Üben und weniger Spielen.


Sollen die Kinder jetzt nur noch spielen beim Training ?

Nein. Es geht lediglich darum, die Gewichtung zu ändern. Mehr Spielformen als isolierte Übungsformen.


„Fußball spielt man mit dem Kopf. Deine Füße sind nur dein Werkzeug.“ - Andrea Pirlo


Diese Aussage von einem brillianten Fußballer sagt aus, dass gute Techniken zwar wichtig sind, aber der Kopf noch viel entscheidener ist. Dies unterstreicht auch das Zitat von Horst Wein. Dem Gründer von FunNino. 


„80% der Fehler im Profifußball sind Entscheidungsfehler und keine Technikfehler.“ - Horst Wein


Natürlich ist es auch wichtig die Grundtechniken (Passen ,Schießen, Dribbeln) des Fußballs zu schulen, jedoch nicht mit langweiligen isolierten Übungsformen.


Negatives Beispiel

Isolierte Übungsform des Passspiels: Zwei Gruppen einteilen und in einem Abstand von 5-10 m gegenüber aufstellen. Spieler A passt zu Spieler B gegenüber und läuft seinem Pass nach.


Positives Beispiel

Spielerische Übungsform des Passspiels: Zwei Passtore in einem Abstand von 10 m nebeneinander aufstellen. 20m vor den Passtoren zwei Gruppen einteilen. 5-10m vor jedem Passtor eine Schussgrenze markieren. Die ersten beiden Spieler dribbeln bis zur Schussgrenze und versuchen mit einem gezielten Innsenseitstoß ins Passtor zu treffen. Für jeden Treffer gibt es einen Punkt für das Team. Welches Team erzielt zuerst 10 Treffer ? 


Zwei Übungsformen mit dem gleichen Ziel und trotzdem grundauf verschieden. Welche Übungsform die Kinder bevorzugen, sollte eigentlich jedem Trainer klar sein.


Warum eine gute Technik trotzdem wichtig ist ?

Die Technik ist wie Andrea Pirlo sagte, das ausführende Werkzeug. Sie soll gewisse Entscheidungen physisch umsetzen. Das heißt, man kann noch so handlungsschnell oder spielintelligent sein, wenn die Umsetzung nicht gut ist, bringt dies alles nichts. Andersrum ist es jedoch genauso. Man kann noch so technisch begabt sein, wenn man für gewisse Spielsituationen keine Lösungen findet oder für Entscheidungen zu lange braucht, fehlt auch eine wichtige Komponente. Das heißt auch hier wieder, die Mischung macht es, jedoch zu unterschiedlichen Anteilen. Dies in Prozenten auszudrücken ist schwierig. Man kann aber sagen, dass der Trainingsteil von Spielformen, der des reinen Übens deutlich überwiegen sollte. Denn auch in den Spielformen werden die wichtigen Grundtechniken des Fußballs spielerisch mit trainiert und diese machen auch noch deutlich mehr Spaß.


Neben der Schulung der fußballerischen Fähigkeiten, ist es auch wichtig den Kinder vor allem Spaß zu vermitteln. Ein weiterer großer Vorteil von Spielformen, welche den Kindern deutlich mehr Freude bereiten, als isoliertes Techniktraining.  


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Spielformen enorm wichtig für die ganzheitliche Entwicklung der Kinder sind. Denn nur hier lernen sie Spielsituationen zu lösen, viele Entscheidungen zu treffen, das Spiel kennenzulernen, Spielintelligenz zu entwickeln und auch die Grundtechniken anzuwenden. Einstudierte Passfolgen, Spielzüge oder langweiliges Techniktraining haben im Kinderfußball nichts zu suchen !



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