Diese Schwerpunkte gehören in ein erfolgreiches Kinderfußball Training

Die Trainingsinhalte im Erwachsen - und Kinderfußball sind sehr verschieden. Das sollte grundlegend jedem Jugendtrainer klar sein. Doch welche Schwerpunkte sollte man bei den jungen Kickern genau setzen ? 

Das Training im Erwachsenenbereich ist oft taktisch geprägt. Erwärmung ohne Ball, isolierte Passfolgen, Dehnungsübungen oder auch Konditionstraining gehören einfach dazu. Jede Trainingswoche ist an den aktuellen Defiziten und dem nächsten Gegner angepasst.


Genau das sind die grundlegenden Unterschiede zum Training im Kinderfußball Bereich. Hier geht es nicht um den nächsten Gegner oder um das Einstudieren von irgendwelchen Taktiken für den schnellen Erfolg (Ergebnis), sondern um das spielerische Erlernen der Grundtechniken (Dribbeln, Passen, Schießen). Genau dort möchte ich auch ansetzen.


Passspiel

Ein gutes Passspiel ist oftmals das, was viele Eltern und Trainer unter richtigem Fußball verstehen. Warum ? Weil es das ist, was sie aus dem Profifußball kennen. Genau deshalb hört man auch häufgig vom Spielfeldrand: "Spiel ab! Spiel ab! Spiel ab!" Ohne Frage, Passspiel ist wichtig, aber im Kinderfußball hat dieser Schwerpunkt für mich persönlich nicht die größte Gewichtung. Des Weiteren kommt es darauf an wie man diesen Schwerpunkt trainiert. 


Denn für viele Trainer bedeutet Passspiel Training: 4 Hütchen aufstellen, an jedes Hütchen gleichmäßig Spieler verteilen, Passen, Klatschen lassen, Passen, tiefer Ball, Flanke, Torschuss ! Klar wird in diesem Fall irgendwie die Passtechnik geschult und eventuell auch eine gewisse Freilaufbewegung, aber keinerlei Entscheidungsfindung. Die beste Möglichkeit um das Passspiel der Kinder zu fördern, sind Spielformen wie Funino oder Überzahlspiele. Dabei werden alle Elemente, wie bei den isolierten Passfolgen geschult, jedoch zusätzlich mit mehr Spaß, mehr Bewegung, mehr Entscheidungen und insgesamt viel spielnaher. Daher die ausdrückliche Empfehlung auf Spielformen umzusteigen. Zusätzlich kann die Passtechnik auch als Übungsform mit Passtoren oder als Wettkampfform geschult werden. Jedoch bitte nicht isoliert, wie oben beschrieben.


Zwei Trainingsbeispiele findet ihr hier:

  • Übungsform 
  • Spielform


Ballmitnahme

Ein Schwerpunkt, der oft vernachlässigt wird und den ich bewusst noch einmal vom Passspiel hervorheben möchte. Mit Ballmitnahme ist der erste Kontakt gemeint. Egal ob vor dem Torschuss, einem anstehenden Dribblinge oder auch vor dem nächsten Pass. Der erste Kontakt entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg. Wenn die Ballmitnahme stimmt, kann man sich einen entscheidenen Vorsprung gegenüber dem Gegner erarbeiten. Der Ball sollte immer in Bewegung sein, deshalb spricht man auch nicht von Ballannahme sondern Mitnahme. Wenn der Ball "tot" gestoppt wird, verliert man Zeit, welches ein entscheidener Faktor, sowohl im Kinderfußball als auch im Erwachsenfußball ist. Grundsätzlich trainiert man mit jeder Spielform auch die Ballmitnahme. Trotzdem gibt es auch hier Übungsformen mit Wettkampfcharakter, die noch einmal ein spezielles Augenmerk auf den ersten Kontakt legen. Übungen wo die Kinder unter Zeitdruck/Gegnerdruck stehen und merken, wie entscheidend eine gute Ballmitnahme ist.


Dribbling 

Kommen wir nun zu dem Teil, den die Kinder besonders lieben. Dribbeln, dribbeln, dribbeln. Genau das sollte immer wieder gefordert und gefördert werden. Leider wird weiterhin noch von vielen Trainer das Dribbling untersagt und auch vom Spielfeldrand wird häufig das Abspiel eingefordert. Dribbelstarke Kinder werden schnell als Egospieler dargestellt, dabei tun sie genau das, was sie am Fußball so lieben. Dabei frage ich mich ständig: Wenn die Kinder jetzt nicht dribblen dürfen, wann dann ?


Je älter sie werden, desto komplexer und taktischer ist das Fußballspiel und auch das Training geprägt. Dort gibt es kaum noch Möglichkeiten frei zu dribbeln. Genau aus diesem Grund sollte  der Kinderfußball für das Dribbling genutzt werden und so gut wie alles im Training mit Ball erfolgen (Ausnahme: Fangspiele zur Erwärmung). Der Ball ist und bleibt im Kinderfußball der Mittelpunkt.


Und wie kann man das Dribbling am besten trainieren ? Genau, wieder durch Minispiele wie Funino. Denn beim Dribbling braucht man viele Ballkontakte und diese sind beim 7 gegen 7 einfach nicht gegeben. 2 gegen 2 bis hin zum 4 gegen 4 sind ideal, um das Dribbling der Kinder zu verbessern. Doch auch hier sieht man leider noch viel zu häufig isolierte Übungsformen, wie Dribblingparcours ohne Anschlusshandlung. Natürlich kann man auch mal einen Parcour mit Slalomstangen aufbauen, aber dann bitte auch hier wieder als Wettkampfform oder zumindest mit einer Anschlussanhandlung (Pass ins Passtor,Torschuss). Am wichtigsten ist jedoch die Gewichtung zwischen SPIELEN und ÜBEN im Auge zu behalten. Denn der Anteil vom SPIELEN sollte in jeder Kinderfußball Trainingseinheit überwiegen.


1 gegen 1

Für mich der größte Schwerpunkt. Jeder der meine Trainingsübungen verfolgt, merkt dass ich ein großer Fan vom 1 gegen 1 bin. Doch nicht nur ich lasse diesen Schwerpunkt ausgiebig trainieren, sondern auch ein Großteil der Nachwuchsleistungszentren. Dort wird ausdrücklich das 1 gegen 1 gefordert und wenn es mal einen Ballverlust gibt, dann ist das so. Beim nächsten mal wird es wieder versucht. Immer mutig und offensiv.


Jetzt sagen viele vielleicht: "Na dann werden ja nur Egospieler ausgebildet und Fußball ist ein Mannschaftssport."

Meine Antwort: "Nein, es werden dribbelstarke Spiele ausgebildet und im Kinderfußball geht es zunächst nur um die individuelle Ausbildung."


Genau diese dribbelstarken Spieler sind im deutschen Fußball selten geworden. Individualisten, die mal für Überraschungsmomente sorgen oder durch ihre individuelle Klasse, Lücken in der taktisch gut stehenden Verteidigung des Gegners reißen. Spieler die durch ihre Fähigkeiten ein oder zwei Spieler an sich binden und somit Platz für die Mitspieler schaffen. Solche Spieler bekommen wir nur, wenn wir die Kinder dribbeln und kreativ sein lassen. Daher sollte bei den Kleinsten sehr viel wert auf die individuelle Förderung gelegt werden. Doch Ballverluste sind für viele Trainer nicht verkraftbar, denn es könnte ja ein Spiel dadurch verloren werden, was dank der Fairplayliga, sowieso keine Wertung hat.


Also mein Appell an alle Trainer im Kinderfußball: Fördert das 1 gegen 1 !


Und keine Angst, das Passspiel kommt noch früh genug und die Kinder lernen durch die oben genannten Spielformen (Funino,Überzahlspiel) ganz alleine den Ball im richtigen Moment abzuspielen. 


Torschuss

Natürlich gehört auch die Technik "Schießen" zur Grundlagenausbildung dazu. Dieser Schwerpunkt wird in vielen Spielformen oder Übungsformen automatisch mitgeschult. Deshalb ist es wichtig bei den anderen Schwerpunkten den Torschuss stets mit einzubauen. Egal ob aus einem Dribbling, einer Passübung, Spielform oder einem 1 gegen 1. Das Ziel geht immer Richtung Tor. Ein gutes Mittel um die Schusstechnik mit Spaß zu verbessern, sind Wettbewerbe, wo in kürzester Zeit ganz oft auf das Tor geschossen wird und am Ende ermittelt wird, welches Team schneller eine vorgegebene Anzahl von Toren erreicht hat.


Wer gerne möglichst viele Spiele gewinnen möchte, sollte diesem Schwerpunkt besonders viel Zeit widmen. Denn Kinder die gut schießen können, müssen fußballerisch nicht brilliant sein und entscheiden trotzdem jedes Spiel für dich. Denn gerade bei den Kleinen reicht meist ein Spieler aus, der gut schießen kann, um das Spiel zu gewinnen. Ironie an, für alle die den Kinderfußball verstanden haben :)


Wie sollten die Schwerpunkte verteilt werden ?

Grundsätzlich gibt es hier verschiedene Möglichkeiten. Man könnte die Schwerpunkte bei jeder Trainingseinheit ändern, wöchentlich oder sogar monatlich. Hier gibt es kein richtig oder falsch. Jeder sollte das selbst für sich und sein Team herausfinden. Wichtig ist nur, dass deine Trainingseinheit einen festen Schwerpunkt hat und nicht alles durcheinander gewürfelt wird. Ein Training sollte Struktur haben und im Vorfeld geplant werden.

Ich persönlich setze wöchentliche Schwerpunkte. So kann man das Gelernte in den darauffolgenden Trainingseinheiten vertiefen. 


Eine Monatsplanung könnte zum Beispiel wie folgt aussehen:


  • Woche 1 - Schwerpunkt 1 gegen 1/Dribbling
  • Woche 2 - Schwerpunkt Passspiel/Ballmitnahme
  • Woche 3 - Schwerpunkt 1 gegen 1/Dribbling
  • Woche 4 - Schwerpunkt Torschuss, freies Spielen (Mixed Week) 


Zusammenfassend sollte sich jeder Trainer noch einmal bewusst machen, dass er eine große Verantwortung für die Entwicklung seiner Spieler trägt. Der Kinderfußball wird oft unterschätzt und bekommt viel zu wenig Anerkennung, aber macht euch bitte immer wieder folgendes klar: Alle Trainer in den älteren Jahrgängen müssen mit dem "arbeiten", was ihr ausgebildet habt. Ihr legt den Grundstein für eine erfolgreiche fußballerische Zukunft. 


Ich vergleiche es immer ganz gerne mit einem Hausbau: Wenn ihr schief mauert oder wichtige Bestandteile vergesst, wird das Haus in sich zusammenfallen oder einfach krumm und schief . Genauso ist es beim Fußball. Wenn die Trainer in der Grundlagenausbildung schlecht oder nicht ganzheitlich ausbilden, wird aus dem Spieler nie ein Profifußballer.


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