Ansätze zur Förderung von fußballerischen Fertigkeiten sowie Selbst- und Sozialkompetenzen - Teil 2

In diesem Beitrag geht es um die unterschiedlichen Ansätze und Werkzeuge, die euch bei der Ausbildung von fußballerischen Fertigkeiten und Selbst- und Sozialkompetenzen eines Jugendspielers unterstützen können.

Die im Beitrag genannten Tipps sind keine Allzweckwaffen, die zwingend erfolgreich sein müssen, sondern ausschließlich Ideen, die euch Anregungen geben sollen. Achtet beim Anwenden auf die familiären Rahmenbedingungen und wägt ab, ob eine Maßnahme überhaupt zielführend ist.

1. Fußballerische Fertigkeiten

Auf die Förderung der fußballerischen Fertigkeiten möchte ich nicht tiefer eingehen denn es gibt hier zahlreiche unterschiedlicher Möglichkeiten und Ansätze. Nur 3 allgemeine Tipps möchte ich geben die häufig zu kurz kommen:

  • Spaß haben und ein fairen Wettkampf bestreiten!
  • Loben, loben, loben!
  • Ruhe beim Spiel!


Fußball soll allen Beteiligten Spaß machen! Unfaires Verhalten, sorgt immer für Frust und Wut beim Gegner und verdirbt den Spaß. Da auch die eigenen Spieler nicht so behandelt werden wollen, sollte ein Trainer auf das Verhalten achten und Fairness immer wieder in der Vordergrund stellen. Bei Fouls entschuldigen, dem Gegner auf helfen und nach jedem Spiel abklatschen, sind einige Methoden um die Spieler zu fairem Verhalten zu bewegen.

Eine positive Grundstimmung im Training erhält man am einfachsten, wenn man Kinder nicht kritisiert sondern immer wieder lobt. Achtet bei Spielen auch auf Ruhe am Spielfeldrand. Eltern sollen nur anfeuern und keine Kommandos geben. Auch als Trainer muss ich nicht jeden Spielzug einfordern. Unsere Spieler sollen selbstständig Handlungen vornehmen und eigene Lösungswege finden.

Während der Halbzeitpause 2-3 Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen reicht aus und ist leichter für die Kinder zu verstehen/merken. So kann sich ein Kind besser fokussieren und wird die Ratschläge auch eher umsetzen. Die Kinder sollen eigene Erfahrungen sammeln, auch wenn sie mal mehr Fehler als üblich machen. Das gehört dazu!

Bei der Entwicklung der fußballerischen Fertigkeiten sollte einem bewusst sein, dass ein Lern- bzw. Entwicklungsprozess nie linear verläuft und immer auch mit Rückschritten verbunden ist.  In diesen Phasen zeigt sich ein guter Trainer. Wer es schafft ein Jugendspieler in schwierigen Phasen positiv zu motivieren und den Frust in Lernbereitschaft umwandelt, bietet beste Entwicklungsmöglichkeiten.

2. Selbst- und Sozialkompetenzen

2.1. Grundwerte

Dieses Gebiet ist eines der umfangreichsten Themen und bedarf viel Sorgfalt, Durchhaltevermögen und eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern. Grundwerte, die vom Elternhaus nicht gelebt werden, sind nur schwer zu festigen. Die eigentliche Arbeit beginnt bei den Eltern.

Es empfiehlt sich bereits zur Gründung des Teams mit den Eltern klare Rahmenbedingungen festzulegen unter denen ihr Trainer mit den Kindern arbeiten wollt. Erläutert eure Grundregeln für das Team und halte sie am besten schriftlich fest. Zusätzlich kann man sich die festgelegten Mannschaftsregeln unterschreiben lassen, um eine noch höhere Identifikation zu erreichen. Besonders zu Beginn gibt es eigentlich immer Kinder die zu spät kommen, Eltern die nicht absagen oder am Spielfeldrand der 2. Trainer sein wollen. Unterbindet solches Verhalten konsequent und erklärt warum es kontraproduktiv ist. Wenn sich Verhaltensmuster erstmal eingeschliffen haben, sind diese nur schwer wieder abzugewöhnen.

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“

Ein Rollenspiel in dem die Eltern Fußball spielen und die Kinder draußen die Eltern imitieren, wird auch den Letzten überzeugen.

Je älter die Kinder werden, desto mehr sind sie in die Mannschaftsregeln einzubeziehen.

Ab ca. 10-11 Jahren könnt ihr mit den Kindern neue Mannschaftsregeln aufstellen und aktiv mit einbeziehen.  Ein Mannschaftsabend an dem jeder seine Vorstellungen mit einbringen kann, verschafft ein viel größeres Bewusstsein als stupide Vorschriften zu machen. Jedes Kind kann Vorschläge machen, die mit in die Regeln aufgenommen werden.

Das „Warum“ ist hierbei eine zentrale Frage und für die Kinder von hoher Bedeutung. Dies sollte kindergerecht erläutert und mit Beispielen untermauert werden. So schafft man eine Bindung zu den Regeln. Ansonsten gilt: Vorbild sein und die Grundwerte konsequent selber leben. Imitieren ist im Kindesalter eine wichtige Lernmethode und findet oft auch unterbewusst statt.

Beispiel einer Mannschaftsregel: Wir sind pünktlich!

Diese Regel ist wichtig weil:

  • wir nur begrenzt Trainingszeit haben
  • es keinen Spaß macht auf Spieler zu warten
  • die Übung schon begonnen hat und der Trainer nicht alles 2-3 Mal erklären will
  • Teams bereits eingeteilt wurden

2.2. Selbstkompetenzen

Diese Kompetenzen sind besonders wichtig, denn auf dem Weg zum Fußballspieler gilt: „Wille schlägt Talent“.

Nur wer bereit ist unermüdlich an seinen Fähigkeiten zu arbeiten und sich selbst motivieren kann, schafft den Sprung in den Leistungsfußball. Kinder mit guten technischen Fähigkeiten gibt es zahlreich, doch leider scheitern sie nicht selten an dem eigenen ICH (z.B. durch Überheblichkeit, Genügsamkeit und Egoismus). Gerade nach dem Sprung in ein NLZ oder an den DFB-Stützpunkt denken viele Kinder, sie haben es geschafft.  Die Erkenntnis, dass dies nur der erste Schritt ist und man sich noch viel mehr ins Zeug legen muss, kommt oft zu kurz. Sein eigenes Ich andauernd zu reflektieren und Verbesserungsvorschläge anzunehmen ist eine Schlüssel-Kompetenz.

Im Kindesalter ist es schwer diese Kompetenzen zu erlernen, denn das Kinder-ICH ist von Grund auf egoistisch und selbstüberzeugt. Erst im Laufe der Entwicklung können Kinder Kritik annehmen und diese folglich in Motivation umwandeln. Hier spielt die Art und Weise des Trainers eine wichtige Rolle.

Leichter verarbeiten lassen sich positiv verpackte Verbesserungsvorschläge: Loben - Verbesserungspotenzial aufzeigen - Handlungsalternative anbieten

Beispiel: „Paul du hast super gedribbelt, aber die Ballannahme hat zu lange gedauert. Versuch beim nächsten Mal den anderen Fuß zu nehmen um den Ball schneller mitzunehmen.“

Durch das vorangestellte Lob wirkt die Verbesserung nicht negativ und der Vorschlag gibt dem Spieler eine alternative Handlungsoption. Merkt er im weiteren Verlauf der Übung, dass der Verbesserungsvorschlag bei der Umsetzung hilft, wird er diesen akzeptieren und verarbeiten.

Die Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten kann man nur schrittweise erlernen und gestaltet sich nicht selten als sehr schwierig. Hier gibt es bereits zahlreiche Vorlagen von Selbsteinschätzungsbögen, doch ein Patentrezept gibt es nicht. Macht euch selber Gedanken welche Eigenschaften und Fähigkeiten ihr erfragen wollt. Bei jüngeren Kindern konzentriert euch auf die Stärken und benutzt Superlative wie:  stark - sehr stark - super stark. Kritik bzw. Negatives kann ein Kind noch nicht richtig einordnen und es leidet eher das Selbstwertgefühl.

Deshalb vorerst: „Was kannst du besonders gut?“ Im weiteren Verlauf können strukturelle Einschätzungen und Messungen durchgeführt werden um Ausbaupotenziale herauszufinden und klare Ziele herauszustellen. Hier geht es nicht um Ergebnisse wie z.B. Gewinnen der Staffelmeisterschaft, sondern um Ziele die man an seine eigenen Fähigkeiten ausrichtet. Ziele helfen Spielern sich zu motivieren und regen die Eigeninitiative an. Idealerweise lassen sich die Ziele konkret messen was in der Realität oft schwierig ist. Den Drang nach Leistungssteigerung zu entfachen oder anzufeuern, ist das höchste aller Ziele als Trainer.

Ein Feedback zu der Selbsteinschätzung gibt dem Spieler die Möglichkeit, sich selbst besser zu reflektieren. Helft euren Spielern etwas über sich selbst zu lernen und sucht ca. 1-2 Mal im Jahr die Möglichkeit für ein ausführliches Feedbackgespräch. Bevor ihr eure Meinung dem Spieler mitteilt, lasst ihn sich selbst bewerten. Das fällt zwar Anfangs schwer aber ist ein wichtiger Lernprozess für die Zukunft. Ebenfalls könnt ihr mit geschickten Fragen den Spieler lenken und so induktives Lernen ermöglichen.

Auf die Entschlossenheit haben wir nur bedingt Einfluss. Helft euren Spielern mit z.B. Artikeln oder Geschichten von Idolen, die aufzeigen, wie hart das Fußballleben manchmal sein kann. Möchtest du so gute Freistöße wie CR7 schießen, dann musst du üben. Viel üben. Sehr viel üben. Das hat Christiano früher auch gemacht (Interview mit CR7).

2.3. Sozialkompetenzen

Erlernen muss man diese Fähigkeit alleine durch Erfahrung, doch auch hier kann man als Trainer mitwirken. Um das Sozialverhalten der Kinder zu stärken, muss man als Trainer verstehen, dass Machtkämpfe ganz normal sind, gerade bei jüngeren Kindern. Besonders wichtig ist es hier, Konflikte im Team zuzulassen um den Umgang mit solchen zu erlernen. Wir Trainer können Hilfestellungen geben, aber sollten Konflikte nur im Ausnahmefall unterbinden. Begleitet Konflikte und legt schrittweise Grundregeln fest, wie z.B. "Wenn wir uns Streiten werde ich nicht lauter". Auch Rollenspiele helfen, um Kindern die Gefühle der Gegenpartei aufzuzeigen. Ausdrücken zu können was einem am Verhalten des Kontrahenten nicht gefallen hat, ist schwer aber kann mit etwas Übung erlernt werden. Jedes Team muss sich entwickeln und jedes Kind muss seinen Platz erst finden.

Nicht immer ist das leicht. Wir können hierbei zwar ein wenig unterstützen, doch austragen müssen die Kinder ihre Konflikte selber. So lernen sie den Umgang miteinander und finden später leichter Lösungen aus schwierigen Situationen. Bei Kindern mit Problemen ihren Platz zu finden hilft nur regelmäßiges Reden und ggf. einige individualisierte Übungen. Bei wenig selbstbewussten Kindern empfehlen sich bspw. Aufgaben mit Überwindung von Ängsten (Höhe, fremde Kinder ansprechen etc.). Sein eigenes ICH zu verstehen und zu akzeptieren, stellt so manch Einen vor echte Probleme und bedarf einiges an Fingerspitzengefühl. Jeder Spieler hat unterschiedliche Charakterzüge, die ich als Trainer mal mehr und mal weniger beeinflussen kann. Nach meiner Erfahrung können Kinder sehr gut Empathie entwickeln, wenn man sie dabei unterstützt.  Bei Meinungsunterschieden selbstständig Kompromisse zu finden und diese auch zu akzeptieren, ist das Lernziel, um ein angenehmes Mannschaftsklima herzustellen. Das gesamte Gefüge kann durch Kooperationsspiele immer wieder gestärkt werden. So ermöglichen wir eine gute Entwicklung vom egoistischen Kind zum teamfähigen Jugendspieler.

„Ich bin gut, wir sind besser“ lautet der Grundsatz.

Im späteren Verlauf der Entwicklung empfiehlt  es sich, die Kinder Streitigkeiten selbständig lösen zu lassen. Als Hilfestellung kann ein Streitschlichter im Team bestimmt werden. Gibt es Unklarheiten die nicht selbstständig gelöst werden können, wird dieser als neutrale Person hinzugezogen und unterstützt bei der Lösung. Dies kann, muss aber nicht der Mannschaftskapitän sein. Im älteren Bereich (U15 - U18) kann man die Jugendlichen gut mit dem Junior-Coach-Ansatz fördern.

Wenn Jugendliche selbst in die Rolle des Trainers schlüpfen, erhalten sie tiefe Einblicke in die Vielschichtigkeit der Aufgaben und haben es im eigenen Team einfacher, den Trainer bei Entscheidungen oder taktischen Ansagen zu verstehen. Die Steigerung des Selbstwertgefühls und das Ausprägen von Verantwortungsbewusstsein ist für Jugendliche ein wichtiger Halt in einer schwierigen Zeit der Selbstfindung. Erfahrungen sind hierbei der beste Lehrer. Grundsätzlich wird ein Kind/Jugendlicher schnell merken, ob seine Verhaltensmuster von der Allgemeinheit akzeptiert werden oder nicht. Moderiert Konflikte und helft beim Umgang mit Emotionen. Wut und Frust in Motivation und Leistung umzusetzen ist schwer, aber nicht unmöglich.

Im letzten Teil unserer kleinen Beitragsreihe geht es dann darum, wie man seine Spieler bei den Punkten Bildung, Kreativität, Gesunddheit und Ernährung unterstützen kann.

Hier gehts zu Teil 1.

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