Ansätze zur Förderung von Bildung, Kreativität, Ernährung und Gesundheit - Teil 3

In diesem Beitrag geht es um die unterschiedlichen Ansätze und Werkzeuge, die euch bei der Förderung von Bildung, Kreativität, Gesundheit und Ernährung eines Jugendspielers unterstützen.

Auch in diesem Beitrag sei erwähnt, dass die genannten Tipps keine Allzweckwaffen sind, die zwingend erfolgreich sein müssen, sondern ausschließlich Ideen, die euch Anregungen geben sollen. 

3. Bildung und Kreativität

3.1. Bildung

Sicher, wir Trainer können nicht jeden Spieler zu einem schulischen Überflieger machen oder komplexe Probleme in der Schule lösen, doch Hilfestellungen sind durchaus möglich. An erster Stelle steht hier das Interesse. Weiß ich über die schulischen Leistungen meiner Spieler Bescheid, kann ich bei Problemen auch bedingt gegensteuern. Informationen erhält man wiederum nur aus Gesprächen mit meinen Spielern. Zeigt Interesse! Gespräche kann man besonders gut, während der Anreise zu einem Spiel, vorm Training oder während anderer Pausen führen. So erhält man einen groben Einblick und die Kinder bemerken Interesse, was manchmal schon zu erhöhter Motivation führen kann.

Ein weiterer Schritt ist das Vorzeigen von Zeugnissen. Dies erfolgt freiwillig, unter vier Augen und nicht zum Zwecke der Bloßstellung. Gute Leistungen können hier speziell hervorgehoben werden und aufgezeigte Verbesserungspotenziale motivieren Kinder manchmal zusätzlich. Die Antwort auf die Frage, "Warum muss ein Fußballspieler gut in der Schule sein?", hilft den Kindern die Bedeutung zu verstehen.

Im Trainingsbetrieb können kleine Denkaufgaben gestellt und als Wettbewerb spaßbringend verpackt werden. So kann man z.B. verschiedene Handlungen oder Bewegungsabläufe bei geraden und ungeraden Zahlen ausführen lassen. Diese Zahlen ruft man nicht einfach rein, sondern stellt sie in Form von Rechenaufgaben. Hierbei kann das Kopfrechnen immer wieder geübt und gefestigt werden.

Ebenfalls sehr förderlich ist es, den Kindern Texte zum Lesen und Verstehen mitzugeben. Diese Texte enthalten fußballerische Themen und werden mit Hilfe von gezielten Fragen reflektiert. So ist es möglich, sowohl die Lesekompetenz zu steigern, als auch das theoretische Verständnis für den Fußball zu fördern. Achtet hierbei besonders auf das Alter der Kinder. Die Kinder sollten die Texte auch verstehen können.

Weiterhin kann das Lesen auch durch Mannschaftstauschzirkel gefördert werden. Ich habe diesen zusammen mit einem Gebrauchtbücherportal realisiert, wobei jedes Kind ein Band der "Teufelskicker" erhalten hat. War jemand fertig mit dem Buch, wurde untereinander getauscht. Die Motivation entspringt allein schon aus dem Gedanken, schnell tauschen zu wollen bzw. zu zeigen wie fleißig man lesen kann. Wollte ein Kind mit seinem Kumpel tauschen oder ein bestimmten Band gerne haben, hat er den anderen Spieler zum schneller lesen motiviert.

Schreibaufgaben kann man besonders gut nach Ereignissen und Veranstaltungen platzieren.

Themenbeispiele:

  •  Schreibt mir 5 Sätze was euch bei dem Ausflug besonders gefallen hat - Was muss ein guter Fußballspieler können?
  • Beschreibe deine schönsten Fußballmomente aus diesem Jahr
  •  Was bedeutet Fairplay?

Als letzte Maßnahme ist das Durchführen von Wettbewerben ein toller Ansatz um die Kinder zu fordern. Auf Teamabenden ist immer Platz für ein Quiz, das die Kinder altersgerecht fordert. Das macht Spaß und erhöht den Wissenshorizont.

Insgesamt habe ich gute Erfahrungen mit der Unterstützung des schulischen Bereichs gemacht und kann komplexe Fragestellungen des Fußballs mit den Kindern wesentlich leichter erarbeiten, als mit manch anderen Teams in der Altersklasse. Ein fitter Kopf, gute schulische Leistungen und ein gutes Allgemeinwissen, können nur förderlich, statt hinderlich sein. Investiert hier etwas Zeit. Es lohnt sich.

3.2. Kreativität

Seit Jahren beklagen Trainer und Fußballgrößen fehlende Kreativität bei Jugendspielern. Bausteine, Lego, Actionfiguren und Malstifte verschwinden aus mehr und mehr Kinderzimmern und die Kinder driften in die digitale Scheinwelt ab. Bunte Digitalwelten verdrängen die Fantasiewelten eines Kinderkopfes und stumpfen immer mehr ab. Schon leichte Kreativaufgaben wie reimen oder malen, fällt den Kindern schwer. Die multimediale Beschäftigung fängt schon in jüngsten Kinderjahren an und konventionelle Beschäftigungsmethoden rücken in den Hintergrund. Es macht die Beschäftigung der Kinder leichter, aber leider auch eintöniger. Aus einfachen Dingen fantasievolle Spiele zu erschaffen, ist den Kindern immer weniger möglich.

Um die Kinder wieder mehr zu fordern, bedarf es im Trainingsalltag mehr Aufgaben, bei denen die Lösungen nicht fest vorgeschrieben werden. Auch wenn die Kinder nicht sofort das „Richtige“ machen, gebt ihm die Zeit selbstständig Erfahrungen zu sammeln, statt immer gleich ein Optimum vorzugeben. Lasst auch die Kinder sich Übungen, Passstafetten und Variationen ausdenken. Daran haben sie Spaß, müssen im Kopf aktiv werden und können ihre Fantasie ausleben.

Teamabende bzw. Spielabende stärken nicht nur das Gruppengefüge sondern eignen sich besonders gut für kreative Aufgaben. Spielt, bastelt, malt, dichtet, baut und denkt mit euren Spielern. Habt Spaß und fordert und fördert die Kreativität in allen Bereichen. Man wird es auch dem Fußballplatz bemerken.

Begleitend könnt ihr immer wieder kreative Hausaufgaben verteilen wie z.B. schreibe eine Fußballgeschichte, mal ein Bild von deinem Wunschtrikot, denk dir eine Trainingsübung aus, überlegt euch ein Schlachtruf, malt mit Kreide ein Parcour für Sprünge und Schritte, malt ein eigenes Wappen, denkt euch einen eigenen Hindernissparcour für die Halle aus und so weiter. Auch der Fantasie der Trainer sind hier keine Grenzen gesetzt.


4. Gesundheit und Ernährung

Die Förderung der Gesundheit bzw. gesunden Ernährung ist nur bedingt förderbar, da sie überwiegend im Elternhaus stattfindet. Trotzdem gibt es hier unterstützende Maßnahmen um zu mindestens aufzuklären.

Ein wichtiger Punkt ist, die richtige und wettergerechte Kleidung. Informiert eure Eltern und Kinder z.B. über das richtige Schuhwerk, Winterkleidung und das Umziehen an sich. Legt ggf. eine Kleiderordnung fest, in der grob geregelt ist, was zum Training und Spiel anzuziehen bzw. mitzubringen ist. Gibt man ein schriftliches Exemplar mit nachhause und macht regelmäßig auf unangebrachte Kleidung aufmerksam, wird es weites gehend klappen.

Gerne tragen Kinder die Schuhe ihrer Idole, doch häufig ist die Qualität bei trendigen Modellen nicht sonderlich gut. Meiner Meinung nach empfiehlt es sich, grundsächlich auf zu lange Stollen zu verzichten. Mit Ausnahme von tiefen oder nassen Rasen, sind Tausendfüßler (Multinocken) deutlich praktischer und gesünder für den anfälligen Kinderfuß.

So genannte Sneakersocken sind viel verbreitet doch leider nichts für den Sport. Besonders nicht im Winter. Gerade in der Ferse fehlt bei diesen Socken der nötige Schutz und das Leder hat direkten Hautkontakt. Hierbei entsteht Reibung und Druck im oberen Bereich der Ferse, was zu Problemen, Entzündungen und Schmerzen führen kann. Am besten während des Sports komplett darauf verzichten und lange Socken bzw. Sportsocken verwenden.

Habt in diesem Bereich einen langen Atem und weist die Eltern und Kinder immer wieder darauf hin, um Krankheiten und Verletzungen vorzubeugen.

Die richtige Ernährung der Kinder können wir kaum aktiv beeinflussen, denn Mahlzeiten werden in der Regel im Elternhaus eingenommen. Hier ist es ausschließlich möglich, kleine Nadelstiche zu setzen. Gebt Vorschläge für ein gutes PreMatch-Essen und erfragt regelmäßig, ob die Kinder ausreichend gegessen haben. Das richtige Essen vor dem Spiel ermöglicht es, während des Wettkampfes viel Energie abzurufen und wirkt sich direkt auf die Leistungsfähigkeit aus. Auch das reichhaltige Trinken mit Hilfe von Ritualen einfordern.

Kleine Workshops mit oder ohne Eltern, sind eine gute Abwechslung zum Training und vermitteln grundsätzliches Wissen.

Workshop-Beispiele:

  • Müsli- und Frühstücksworkshop (Wir mixen unseren eigenen Müsli)  Gemeinsames zubereiten und verzehren eines PreMatch-Essens
  •  Brotworkshop (Unterschiede und selber backen)
  •  Obst (Bedeutung und Unterschiede / Welches Obst kann was?)


Fazit

Das Leistungsvermögen unserer Spieler hat viele Facetten, die wir, je nach elterlicher Akzeptanz, unterschiedlich tief beeinflussen bzw. fördern können. Ein gutes Wissen über die familiären Umstände erfordert einiges an Mühe, hilft aber, Verhaltensmuster oder auftretende Herausforderungen einordnen zu können. Je besser wir über unsere Spieler Bescheid wissen, desto detaillierter können wir auch fördern. Haltet immer ausführlich Rücksprache mit den Eltern um Missverständnisse und Tabugrenzen nicht zu überschreiten. Erziehungsmaßnahmen dürfen nicht ansatzweise in Frage gestellt, sondern ausschließlich positiv unterstützt werden.

Arbeitet als Team an der positiven Entwicklung des Kindes und nicht gegeneinander.

Jugendspieler sehen uns Trainer nicht selten als wichtigen Ankerpunkt in ihrem noch jungen Leben, umso wichtiger ist es, sich vernünftig zu verhalten und Grundregeln konsequent zu befolgen. Dies gibt den Kindern Sicherheit und einen günstigen Rahmen ihre Fähigkeiten optimal zu entwickeln. Habt einen langen Atem und jede Menge Fantasie bei der Umsetzung. Je kreativer, desto besser. Achten sollten Trainer trotz aller Fördermaßnahmen auf eine gewisse Distanz zu seinen Spielern. Trainer müssen Trainer bleiben und nicht zum besten Kumpel oder gar Vaterersatz werden.

Am Ende muss jeder Trainer für sich wissen wie tief er leistungsunterstützende Kompetenzen fördern möchte, aber es kann sich lohnen. Beobachtet, hört zu, hinterfragt aber vor allem, bleibt Mensch!

Viel Erfolg.


Hier gehts zu Teil 1 "Facetten des Leistungsvermögens eines Jugendspielers".

Hier gehts zu Teil 2 "Ansätze zur Förderung von fußballerischen Fertigkeiten sowie Selbst- und Sozialkompetenzen".

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